Montag, 28. September 2009

Der Tag des Jüngsten Gerichts oder: Das neue Fernsehstudio der Al-Quaidingens


Die Bericht­erstattung über die trotz Terror­drohung miss­lun­gene BT-Wahl 09 hat alle wich­tigen Nach­richten auf die hinteren Plätze ver­drängt. Grund genug, hier zwei wichtige Ereignisse der letzten Woche zu rekapitulieren:

  1. Am 25.09.2009 war der Tag des Jüngsten Gerichts! Osama bin Ladin, toter CIA-Agent aus Tora Bora, Afghanistan, ist gegen 12.00 Ortszeit wiederauferstanden. Exklusiv in Springers WELT. Michael Jackson und Elvis Presley werden noch gesucht.
  2. Rechtzeitig zu diesem biblischen Großereignis weihte die Staats­terror­orga­ni­sa­tion Al-Quaida (El-Quaida, Al-Kaida, Ol-Quadia usw.) ein neues, modernes voll com­puteri­sier­tes Fernseh­studio in den Räumen des Geschäfts­part­ners IntelCenter ein.
Fonzos Universum zeichnet den his­tori­schen Werde­gang des belieb­ten Wüsten­senders von seinen ersten Anfängen bis zur Inbetrieb­nahme des moderns­ten Studios der gesamten arabischen Welt einmal nach:

Am 13. Dezember 2001 meldete sich der neue Shooting-Star der amerika­nischen Fernseh­abend­unter­haltung und Frei­zeit­spion der CIA, Tim Osman, unter seinem Künstler­namen Osama bin Ladin erst­mals zu Wort. Das mobile Fernseh­studio im Wüsten­sand, der ame­rika­nisches Erdöl bedeckt, war damals noch recht impro­vi­siert: Zum Einsatz kamen ledig­lich eine 3-CCD-Kamera vom Typ VX911, ein Mode­ra­toren­mikro­fon mit Nieren­leiden-Charak­teris­tik und ein trag­bares MAZ-Gerät mit Inter­net-fähigem Wähl­modem. Ungeachtet der tech­nischen Minimal­aus­stattung konnte die Unter­haltungs­sendung jedoch auch schon mit modernen Errungen­schaften auf­warten: So bedient sich der Haupt­darsteller der Gebärden­sprache, um seinen Beitrag auch Gehör­losen nahe­zu­bringen. Bin Ladin musste in dieser Zeit noch ganz ohne Maske und Mode­ra­toren-Out­fit arbeiten.

Bereits 2002 ver­besserte der Sender, der sich nun As-Sahab (dt: alter Schwede) nannte, das Format: Mit einer Frisch­zellen­kur und einer Hormon­behand­lung im US-Mili­tär­kranken­haus in Bad Jalalabad konnte der Haupt­dar­steller um gefühlte 20 Jahre ver­jüngt werden. Ein gefärb­ter Bart sollte vor allem die weib­lichen Zuschauer beein­drucken. Die Aus­stat­tung diesmal: Laptop im Nomaden­zelt, trag­barer DSL-Anschluß mit Flat­rate und Premium­account bei YouTube, Halo­gen-Schein­werfer mit Kurbel­antrieb (in der Wüste gibt es nur sehr wenige Steck­dosen und wenn man mal eine findet, ist meist das Ver­länge­rungs­kabel bis zum Set zu kurz), Kar­toffel­sack als Hinter­grund (sog. "Potatoe-Screen" als Ersatz für einen "Blue Screen", der im Grau der Wüste seinen Zweck eh nicht erfüllt hätte) sowie ein Team von Ein­flüs­terern.

In 2003 und 2004 war Sommer­pause. Ab 2005 beteiligte sich ein US-Unter­nehmen, das Intel­Center, an dem Kon­zern As-Sahab des bin Ladin und sorg­te mit einer Finanz­spritze sowie einem deutsch­stämmigen Ersatz­mode­ra­tor und Mit­den­fingern­fucht­ler namens Bekkai Harrach für den anhal­ten­den Erfolg der nun­mehr zur Comedy-Serie mutier­ten Reality-Show, die jetzt auch in Deutsch­land empfangen werden konnte dank der Springer-Presse, die ja bekannt­lich im Staats­auf­trag jeden Scheiss unbe­sehen glaubt und sofort un­reflek­tiert weiter­ver­breitet.

Im Jahr 2006 siedelte der Wüsten­sender um nach Washington DC, wo der Anteils­eigner Intel­Center ein voll­klima­tisier­tes Studio unter­hält, das auch über Bildmanipulatoren und Stimmen-Synthe­sizer neu­es­ter Gene­ra­tion ver­fügt, mit denen jeder Greis in einen ansehn­lichen Kna­ben ver­wan­delt werden kann. Da jedoch niemand den der­maßen auf­ge­pepp­ten bin Ladin wieder­erkannte, ent­schied man sich, ihn doch lieber wieder im Original zu zeigen.

2007 und 2008 ließ das Inter­esse der Öffent­lich­keit an Staats­terror-War­nun­gen rapide nach und zog die Zuschauer­quote tief nach unten, weshalb das Intel­Center ent­schied, der Welt moderns­tes Fern­seh- und Auf­nahme­studio ein­zurich­ten, um die ur­sprüng­liche Beliebt­heit des ehe­mali­gen Wüsten­Senders wieder­her­zu­stellen.

Der Aufbau nahm ein Jahr in Anspruch. Und 2009 war es dann soweit: Recht­zeitig zur Bun­des­tags­wahl mel­dete sich der längst ver­stor­be­ne bin Ladin per Direkt­schal­tung aus dem Jen­seits im com­puter­gesteuer­ten, 12 Millionen wert­lose Dollar teuren, voll­auto­mati­schen Studio der neues­ten Bau­art zu Wort. Die wich­tigs­ten Neue­rungen: HD-Auf­lösung, bediener­lose Kameras, 16:9-Breit­bild­format mit ani­mier­tem Hinter­grund ("Green Screen"), Windows95-PC mit ein­ge­bau­tem zufalls­gesteuer­ten "Blue-Screen".

In der Premiere­sendung kündigte bin Ladin in einer erst­mals in deut­scher Spra­che unter­titel­ten Gruß­bot­schaft an die euro­päischen Völ­ker den Tag des Jüngsten Gerichts an und ter­minier­te diesen sowie seine Rück­kehr in die deutschen Deppen­medien auf den 25.09.2009.
Dieser Tag, auf den die kirch­lich­en Sek­ten seit mehr als 2000 Jahren sehn­süch­tig war­ten, wurde jedoch auf­grund einer Ton­störung im Bereich der Ultra­klein­hirn­welle welt­weit ver­passt und als Auf­forde­rung miß­ver­stan­den, der Christ­lichen Djihad Union (CDU) durch Wieder­wahl in ein soge­nann­tes Reichs­tag­gebäude zu hul­digen. Und so kam es schließ­lich, dass ver­ängs­tigte Mit­bürger durch die Wahl der CDU das ver­meint­lich klei­nere Übel wähl­ten. Manch einer mag viel­leicht auch gedacht haben, wenn er das Merkel erneut zum Kanzler wählt, hält es end­lich mal wieder vier Jahre lang die Klappe. Das ist natür­lich unbe­stritten ein ange­nehmer Neben­effekt.

Anläßlich der Weltpremiere der Rückkehr des bin Ladin aus dem Reich der Toten ver­anstal­ten Fonzos Uni­ver­sum und das Intel­Center einen klei­nen Rate­wett­bewerb: Unten sehen Sie einige Bil­der des Star-Modera­tors der Al-Quaida. Jedoch zeigt genau ein Bild nicht den rich­tigen bin Ladin. Und dieses Bild sollen Sie jetzt finden. Wenn Sie es gefun­den haben, schnei­den Sie es bitte aus, kleben es auf eine Post­karte und schicken diese an:

IntelCenter
- Pentagon -
Abteilung Forgeries
Washington, DC 20330
Police State USA


Als Hauptpreis winkt ein Honeymoon-Weekend für zwei in Guantanamo Bay mit Besich­tigung der Folter­keller und Elektro­schock-Isolier­kammer inklu­sive eine Runde Water-Boarding, sexueller Demü­ti­gung und ande­rer netter Frei­zeit­ver­gnü­gungen aus dem Folter­hand­buch des US-Militärs. Ein­sende­schluss ist Ende Herbst. Der rechte Weg ist ausgeschlossen, links ist noch genug Platz.

Afghanistan-Veteranen und andere Angehörige der deutschen Angriffskriegsarmee dürfen leider nicht teilnehmen. Die wissen zuviel.

Nun viel Spaß beim Bilderrätsel!
Noch ein kleiner Tipp: Die Bilder sind chronologisch sortiert (2001 bis 2009). Falls Ihnen das mit der Bart­farbe und der Alterung etwas komisch vorkommt: uns auch!

Kommentare:

Juri hat gesagt…

nicht schlecht, weiter so! :)

Rocko J. Fonzo hat gesagt…

Danke, gerne, so es die Zeit hergibt.

 

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